Am 10. September 2023 stand ich morgens auf der Waage, schaute runter, und sah eine Zahl mit drei Stellen vor dem Komma: 100,2 kg.
Es war nicht der Schock, der mich umgehauen hat. Den hatte ich erwartet, irgendwie.
Es war der Moment danach, in dem mir klar wurde: das hier geht nicht mehr nur um mich. Ich habe zwei Kinder. Die wollen klettern, Rad fahren, Fangen spielen, dumme Sachen machen - und ich tat mich schon schwer, dabei mitzuhalten. Nicht im Sinne von "ein bisschen außer Atem". Im Sinne von: ich war nicht mehr richtig dabei.
Bis zu diesem Morgen hatte ich mir das ganz gut zurechtgelegt. Vollzeit IT-Job, lange Tage, Familienleben, abends kein Bock mehr - und ich habe mir selbst eingeredet, dass ich "eh noch fit" sei.
Das ist die Standard-Lüge. Man kennt sie. Man glaubt sie sogar, weil das die einzige Variante ist, mit der man morgens noch in den Spiegel schauen kann.
Was dann kam, war kein Wunder, keine Transformation in 90 Tagen, kein Programm aus dem Internet. Es ging langsam los:
aufstehen um 05:00 Uhr statt sieben
ein paar Mal die Woche auf das Rad, nicht jeden Tag
Essen ohne Verbotsliste, einfach umgestellt - mehr Protein, abends weniger, Kalorien-Tracking gestartet.
Das erste Jahr habe ich so 5.000 bis 10.000 Kilometer geschafft. Nach dem ersten Jahr war ich rund 15-20 kg leichter und zum ersten Mal seit Jahren wieder richtig fit.
Erst dann wurde aus dem Aufstehen um fünf das Aufstehen um 04:30 Uhr. Erst dann jeden Tag aufs Rad, 1,5 Stunden, fünf Tage die Woche, bevor die Familie wach wird. Indoor von Oktober bis April, weil es draußen dunkel und kalt ist. Am Wochenende lange Touren, sobald das Wetter mitspielt.
Mittlerweile 10.000 bis 20.000 Kilometer im Jahr. Insgesamt 35 kg weniger, rund 65 kg auf der Waage - und ich bin schneller, gesünder und präsenter für meine Kinder als mit 35.
Das war's. Das ist die ganze Geschichte. Kein Geheimnis, kein Hack, kein Kurs für €299.
Was ich in diesen knapp drei Jahren gelernt habe, ist im Kern eines:
Es gibt einen Teufelskreis und einen Tugendkreis, und sie funktionieren spiegelbildlich.
Je dicker du bist, desto weniger willst du dich bewegen, desto dicker wirst du, desto mehr redest du dir schön, dass du eh noch fit bist. Und je fitter du wirst, desto leichter fällt dir auch das Essen, desto mehr Lust hast du auf die nächste Tour, desto leichter wird das Aufstehen um halb fünf.
Beide Richtungen sind selbstverstärkend. Welche du gerade fährst, entscheidet sich nicht in einem dramatischen Moment auf der Waage, sondern morgens, in den ersten 30 Sekunden nach dem Wecker.
Watt & Weite ist der Newsletter, den ich vor drei Jahren gerne gelesen hätte.
Damals fand ich im deutschsprachigen Raum vor allem zwei Welten: Hochglanz-Magazine für Profis und Material-Nerds, oder Social-Media-Content mit sehr durchtrainierten Menschen, die ihre Reise und Methoden teilen. Beides hat seine Berechtigung - aber für jemanden wie mich damals, mit 100 kg, Vollzeit-Job und kaum Trainingsgeschichte, hat keines davon richtig gepasst.
Dieser Newsletter ist für Leute, die:
Vollzeit arbeiten
Familie haben, oder zumindest ein Leben außerhalb des Rads
jenseits der 35 sind und langsam merken, dass das nicht jünger wird
vielleicht selbst übergewichtig waren, sind, oder werden könnten
trotzdem ernsthaft Rennrad fahren wollen - sportliche Herausforderungen, lange Touren, strukturiertes Training, den ganzen Quatsch
gerne ehrlich und ohne Bullshit lesen
Was du hier finden wirst: ehrliche Gear-Reviews aus echtem Gebrauch, strukturierte Trainingsansätze für Berufstätige, Erfahrungsberichte von langen Touren und Brevets, Essen ohne Verbotsliste, Pain-Cave-Setups, die funktionieren - und gelegentlich Geschichten von Leuten, die ihre eigene Version von 04:30 gefunden haben.
Was du hier nicht finden wirst: die Behauptung, dass irgendetwas davon einfach ist. Oder schnell. Oder dass es einen Hack gibt.
Eine Ausgabe alle 14 Tage. Kostenlos.
Und weil das hier Ausgabe 1 ist: Antworte mir kurz - wo stehst du gerade? Erstes Brevet im Blick, zurück nach einer Pause, oder mitten im Aufbau? Ich lese jede Mail.
Bis in 2 Wochen.
Michael
P.S. Ich habe nebenbei ein kleines Tool gebaut: SaddleMath. GPX hochladen, FTP eingeben — und du bekommst eine berechnete Finish-Prognose für deine nächste lange Tour: Zielzeit, Nachtphasen, Verpflegungsfenster. Kostenlos. Entstanden aus dem simplen Bedürfnis, vorher zu wissen, wann ich im Dunkeln fahren werde und wann ich essen muss. → saddlemath.com