Diese Woche startet das Race Around Austria. Am Montag die Langdistanz, am Mittwoch die Challenge: 560 Kilometer entlang der oberösterreichischen Landesgrenze, ausgelegt als 24-Stunden-Rennen. Ultracycling-WM, praktisch vor meiner Haustür.
Diese Strecke liegt als Beispielroute in SaddleMath, dem Planungstool, das ich nebenbei gebaut habe.
Meine Prognose: 35 Stunden.
Letztes Jahr sind bei den Herren von 18 Solo-Startern 16 angekommen. Der Schnellste in 16:07. Der Letzte in 23:33.
Alle unter 24 Stunden.
Das ist kein Rundungsfehler. Mit so einer Prognose meldest du dich gar nicht erst an.
Erst dachte ich, es liegt an der Physik
Das Tool rechnet mit einem Modell aus einer Arbeit von 1998 - Luftwiderstand, Rollwiderstand, Steigung, Gewicht. Alles Dinge, die man messen kann. Wenn da 35 statt 20 Stunden rauskommt, dachte ich, habe ich irgendwo eine Konstante verhaut.
Hatte ich nicht.
Ich habe zwölf eigene Fahrten durchgerechnet, alle mit Wattmesser aufgezeichnet, von flach bis steil. Und verglichen, was mein Edge an Höhenmetern anzeigt mit dem, was SaddleMath daraus macht.
Das Ergebnis war über alle zwölf Fahrten gleich: 66 Prozent.
Ein Drittel der Höhenmeter war weg. Nicht ungenau - weg.
Der Fehler war ein Wort
Höhendaten sind verrauscht. Jeder Höhenmesser wackelt, jedes GPS springt, und wenn du das roh aufsummierst, kommen Fantasiewerte raus. Deshalb glättet man die Daten, bevor man rechnet. Ich habe geglättet "über 50 Messpunkte".
Und genau das ist der Fehler. Ein Messpunkt ist keine Strecke.
Wenn dein Garmin jede Sekunde aufzeichnet, liegen die Punkte fünf Meter auseinander. 50 Punkte sind dann 250 Meter Glättung. Passt.
Wenn du eine Route aus einem Planungstool exportierst, liegen die Punkte 125 Meter auseinander. Aus derselben Rechnung wird plötzlich über ein Kilometer Glättung.
Höhenmeter sind eine Summe von Anstiegen. Wenn du über sechs Kilometer glättest, verwischst du kleine Wellen nicht - du löschst sie.
Bei einer Alpenetappe fällt das kaum auf, die Anstiege sind kilometerlang. Bei einer Flachetappe gibt es nichts zu verlieren. Aber bei welligem Gelände - genau das, was rund um Oberösterreich 560 Kilometer lang passiert - verschwindet ein Drittel des Profils.
Statt 6.500 Höhenmetern rechnete mein Tool mit 4.300.
Der zweite Fehler war schlimmer
Denn er war unsichtbar.
Im Formular gibt es ein Auswahlfeld für die Intensität. Vier Stufen. Die zweite hieß: "Realistisch - ehrliches Tempo."
Wer würde etwas anderes anklicken? Man will ja nicht schummeln.
Nur: "Realistisch" war für ein Brevet kalibriert. Selbstversorgung, Pausen am Gasthaus, ankommen statt kämpfen. Nicht für ein Rennen mit Begleitfahrzeug, bei dem du 20 Stunden am Anschlag fährst.
Dazu waren in der Beispielrechnung vier Stunden Schlaf eingeplant. Bei einem 24-Stunden-Rennen.
Von den 35 Stunden waren fast sieben überhaupt keine Fahrzeit.
Und jetzt kommt der Teil, der mir zu denken gegeben hat
Diese beiden Fehler haben sich fast aufgehoben.
Zu wenig Höhenmeter machen das Modell zu schnell. Eine zu vorsichtige Korrektur macht es zu langsam. Auf meinen eigenen Runden hob sich das gegenseitig auf - die Zeiten stimmten auf ein paar Prozent genau.
Ich hatte also monatelang ein Tool, das die richtigen Antworten aus zwei falschen Zahlen gebaut hat.
Aufgefallen ist es erst, als ich es gegen etwas gehalten habe, das ich nicht selbst gefahren bin.
Was ich daraus mitnehme
Jede Vorhersage hat Voreinstellungen. Und die falsche Voreinstellung kostet dich mehr als die falsche Formel.
Das gilt nicht nur für Pacing-Tools.
Dein Trainingsplan nimmt an, dass du deine Zonen kennst. Dein FTP-Wert nimmt an, dass der Test sauber war. Deine Wochenplanung nimmt an, dass "6 Stunden" 6 Stunden Fahren heißt und nicht 6 Stunden inklusive Umziehen, Reifen flicken und Kaffee.
Und wenn zwei dieser Annahmen in entgegengesetzte Richtungen daneben liegen, merkst du monatelang nichts. Bis du in einer Situation bist, in der du sie zum ersten Mal gegen die Realität hältst.
Bei mir war das eine Ergebnisliste.
Bei dir ist es vielleicht das erste Brevet.
Was ich geändert habe
Geglättet wird jetzt über Meter, nicht über Messpunkte. Die Höhenmeter treffen die Garmin-Werte über alle zwölf Fahrten auf 97 Prozent, mit vier Prozent Streuung.
Und die Intensitätsstufen sagen jetzt, wofür sie gedacht sind, statt wie vernünftig sie klingen:
Leicht - Bikepacking, Genusstempo
Realistisch - Brevet, Selbstversorgung
Aggressiv - Rennen, auf Zeit
Elite - Rennen, vorderes Feld
Die Challenge steht jetzt bei 23 Stunden. Das liegt zwischen dem letzten Finisher und dem Mittelfeld von 2025.
Nicht schmeichelhaft. Aber ehrlich.
Und du? Nutzt du irgendein Tool, das dir etwas vorhersagt - Zielzeit, Kalorien, Trainingszonen? Weißt du, was es dabei annimmt?
Antworte mir kurz, ich lese jede Mail.
Bis in zwei Wochen.
Michael
P.S. Falls du diese Woche in St. Georgen an der Startlinie stehst: viel Erfolg. Und schreib mir hinterher deine Zeit - jede echte Zeit macht das Modell besser. Das ist kein Marketing, das ist wörtlich, wie diese Ausgabe entstanden ist. → saddlemath.com